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Gestalter der Landschaften

Gestalter der Landschaften

Ein heimisches Tier schafft es immer wieder die Pläne von uns Menschen zu durchkreuzen und negative Schlagzeilen in der Presse zu schreieben. Das zweit größte lebende Nagetier auf unserer Erde gestaltet mit seinem besten Wissen und Gewissen die Landschaft um sich ein schönes Eigenheim mit Selbstversorgergarten für seine Familie anzulegen.
Ein nachvollziehbarer und ehrenwerter Gedanke. Doch leider stellt dieser pelzige Erdenbewohner keine Bauanträge und bespricht seine Vorhaben mit den Gemeinden und besetzt obendrein noch das ein andere Gewässer. Wenn er dann noch die angrenzendenUferregionen in Anspruch nimmt, macht er sich schnell in seiner Nachbarschaft unbeliebt,
so dass man ihn am liebsten loswerden möchte. In vergangenen Zeiten haben wir Menschen ihn auch erfolgreich verdrängt. Dies lag unter anderem daran das 1754 der Jesuitenpater Charlevoix festgestellt hat, dass sein Schwanz ganz „fischig“ ist, worauf hin das Fleisch des Bibers auch in der Fastenzeit gegessen werden konnte, da zum Fisch zugeordnet wurde. In Brandenburg konnte sich der Biber nur an der Havelmündung und an der Schwarzen Elster halten. Damit sich die Bestände erholen konnten wurde er in der FFHRichtlinie (Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie) in den Anhängen II und IV gelistet und somit istdie Art durch die Ausweisung und Entwicklung eines europäischen Schutzgebietssystems (NATURA 2000) zu fördern und zudem streng zu schützen. Außerdem ordnet das Bundesnaturschutzgesetz den Biber zu den besonders geschützten Arten (§ 7 Abs. 2 Ziff. 13) und zugleich
den streng geschützten Arten (§ 7 Abs. 2 Ziff.14) zu. Dank dieser Schutzbestimmungen konnten sich die Bestände gut erholen. Auch die Wiederansiedlung von verschieden Populationen des Elbebibers und des vordringen des osteuropäischen Bieber brachte einen Populatiosanstieg. So wird der Bestand in Brandenburg auf 2.200 Tiere
geschätzt wird. Doch inzwischen wachsen die Populationen immer weiter und damit auch das Konfliktpotenzial zwischen zwei Erdenbewohnern. Die Konflikte lassen sich in drei Bereiche einordnen:

Biberfraß

Fraß
Der Biber ist Vegetarier und damit stehen zahlreiche Pflanzen auf seinem Speiseplan. Besonders als Winternahrung benötigt er neben Rhizomen von Wasserpflanzen die Rinde von Bäumen. Am liebsten greift er auf Weichhölzer wie Pappel, Weide oder Hasel zurück, die am besten nicht dicker als 5 cm sind. Doch bei Mangel an Weichhölzern
oder jungen Gehölzen bedient er sich auch an anderen Bäumen. Hat der Biber das Glück neben einem Acker mit Mais, Raps oder Zuckerrüben oder auch neben Apfelbäumen zu wohnen, kann er der Verführung nicht wiederstehen
und bedient sich an den Leckereien vor seiner Haustür.

Erdarbeiten
Bei geeigneten Voraussetzungen legt der Biber sehr gerne Erbauten an. Er achtet dabei nicht auf die Verkehrssichrungspflichten, so kann es passieren, dass Uferwege oder auch (Nutz-)Tiere auf einer Wiese einbrechen. Bei Hochwasser nutz der Biber gerne Dämme, um ein trockenes zu Hause zu finden.

Vernässung
Ist das Wasser an kleinen Fließgewässern oder Gräben für den Biber (unter 60 – 80 cm) zu flach, staut er diese an. Dazu baut er an sorgfältig ausgesuchten Stellen wirkungsvolle und stabile Dämme aus Knüppelholz, die er mit Pflanzen und Schlamm abdichtet. Er erreicht damit sein Ziel, dass der Eingang seiner Burg Unterwasser ist und damit vor Feinden geschützt ist. Das dafür manchmal große Gebiete mit vernässt werden müssen, sieht er nicht so eng.

Im Mai 2015 hat der Minister für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft, Jörg Vogelsänger, eine Verordnung über die Zulassung von Ausnahmen von den Schutzvorschriften für den Biber herausgebracht. In dieser Verordnung darf der Biber unter bestimmten Voraussetzungen vergrämt oder entnommen werden, wenn dieser
Hochwasserschutzanlagen, Dämme, öffentliche Verkehrsanlagen oder Dämme von Kläranlagen gefährdet. Doch reicht diese Verordnung aus? Was ist mit dem Vieh auf der Weide oder dem privaten Obstbaumgarten? Und wie wichtig ist es überhaupt den Biber zu schützen? Die Zahl von 2.200 Bibern klingt im ersten Anschein nach groß. Doch ist sie
das? Wie sieht es aus wenn wir den Blick weiten. Weltweit kommen circa 6.500 Individuum des Elbebibres (Castor fiber albicus) vor. Damit kommt ca. 1/3 des Weltbestandes des Elbebibers in Brandenburg vor. Damit haben wir Brandenburger eine besondere Verantwortung für diese Tierart. Wenn wir den Biber mit seinen Eigenschaften die
Landschaft zu gestalten beobachten, können wir feststellen, dass er dazu beiträgt Wasser in der Landschaft zuhalten. Daduch wird eine wichtige Lebensgrundlage für eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt geschaffen. Ein Biberdamm beispielsweise hält nicht nur das Wasser, sondern vermindert auch die Strömungsgeschwindigkeit, verbessert die Wasserqualität und Strukturvielfalt, ermöglicht das Ablagern von Sedimenten, wirkt regulierend auf die Wasserdynamik und kann so Hochwasserspitzen abpuffern. Durch den veränderten Lebensraum schafft er gleichzeitig günstige Lebensbedingungen für andere Arten wie z.B. Fischotter, Rotbauchunke, Kammmolch, Eisvogel, Rohrsänger,
Schwarzstorch, Sumpfkresse, Mädesüß, Wasserhahnfuß oder eine Vielzahl an Libellen und Wasserkäfern.

Um gut mit dem Biber in Nachbarschaft wohnen zu können, ist es wichtig die Bedürfnisse des Bibers zu verstehen, ihn als Lebewesen zu respektieren und klare Grenzen zu ziehen. Klar ist Biber müssen nagen und brauchen so wie wir Nahrung. Ein Uferrandsteifen mit bewuchs von Weiden, Pappeln, Hasel und einigen Sträuchern kann dabei helfen dem
Biber, die Leckerrein zu Verfügung zu stellen, die er benötigt. Zusätzlich können auch noch einzelne wichtig (Obst-)Bäume eingezäunt werden. Hier sollte jedoch der Zaun mindestens 1,20 m hoch sein und ein Maschenabstand von höchstens 6 cm betragen. Alternativ können Bäume auch mit Dorngestrüpp umwickelt werden. Zum Schutz von
Feldern und Gärten hilft das Gebiet am Wasser zu umzäunen. Ein Elektrozaun mit stromführenden Litzen in 0,20 cm und 0,35 cm Höhe hat sich dabei bewährt. Sollten Sie auch Gehözschnitt, z.B. von der Kopfweidenpflege, haben können Sie dieses Schnitt gut dem Biber als Äsung ans Wasser legen. Bereits vom Biber gefällte Bäume sollten auch erst einmal liegen gelassen werden, damit der Biber die Rinde von diesen fressen kann und dafür nicht weitere fällen muss. Sollte ein Biberdamm ein Gebiet vollkommen Unterwasser gesetzt haben, können Sie durch den Damm ein Drainagerohre legen. Einen Eingriff in dem Biberdamm müssen Sie jedoch vorher mit der Naturschutzbehörde besprechen und auch dafür eine Genehmigung einholen. Ein Uferrandstreifen bietet sich auch in den Bereichen an, wo Erdbauten angelegt werden. Für einen Konfliktfreien Umgang zwischen Mensch und Biber ist ein rücksichtsvolle Landnutzung wichtig und darüber hinaus sollte ein landesweites Bibermanagement entwickelt werden. In dem das gemeinsame Leben von den beiden Erdenbewohnern geregelt ist.

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